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Rebekka Ruétz – Lilith Kollektion ©Linda Leitner
Die Entwürfe entstehen aus einem dynamischen Prozess:
Silhouetten werden nicht im Vorfeld festgelegt, sondern entwickeln sich im Dialog mit dem Körper. Drapierungen werden verschoben, Schnitte neu geformt, Materialien getestet – bis sich eine Haltung zeigt. Jeder Look wird weniger entworfen, als entdeckt. Lilith offenbart sich nicht auf dem Papier, sondern im Werden.
Rebekka Ruétz – Lilith Kollektion ©Marcus Hartelt
Ein zentrales Element der Kollektion sind Applikationen aus echtem Moos. Das lebendige Material steht für Zeit, Verfall und Erneuerung zugleich. Es reagiert auf Bewegung, verändert sich, bröselt und hinterlässt Spuren. Kleidung wird so nicht als abgeschlossenes Objekt, sondern als Körper verstanden, der Geschichte trägt. Perfektion wird bewusst hinterfragt zugunsten von Wandel, Präsenz und Vergänglichkeit.
Rebekka Ruétz – Lilith Kollektion
Die Farbwelt ist präzise und vielschichtig:
Rabenschwarz bildet das Fundament, während Rottöne unterschiedliche Nuancen von Ursprung über Impuls bis hin zum Mythischen zeigen. Weiß variiert zwischen Kalkweiß, schlangenartigen Strukturen und schmutzigem Beige. Die Palette bewegt sich zwischen Erdung und Schimmer, zwischen Körperlichkeit und Transzendenz.
Rebekka Ruétz – Lilith Kollektion ©Marcus Hartelt
Materialien tragen Bedeutung.
Upcycling-, Recycling- und Deadstockstoffe bilden die Basis. Ergänzt werden sie durch handverlesene nachhaltige Spitze, Bio-Denim, gegossenes Naturlatex in Schlangenoptik und traditionell gefertigten Tiroler Loden. Zertifizierte Materialien wie Tencel kommen bei Prints zum Einsatz. Gegensätze wie rau und glatt, opak und transparent prägen sowohl Oberfläche als auch Aussage.
Rebekka Ruétz – Lilith Kollektion ©Annika Yanura
Die Silhouetten bewegen sich in einer minimalistischen Avantgarde:
Skulpturale Korsagen treffen auf fließende Drapierungen, feste Materialien auf Bewegung. Volumen entsteht durch Konstruktion und Auflösung zugleich. Organische Applikationen verleihen den Looks Dreidimensionalität und hinterlassen sichtbare Spuren. Der Körper wird nicht verkleidet, sondern begleitet.
Rebekka Ruétz – Lilith Kollektion – Backstage ©Marcus Hartelt
Hair & Make-up – die Vision
Die visuelle Tiefe der Kollektion wird durch die Arbeit von Sam Hill, Inhaberin und Make-up-Artist der Inclover Agency, erweitert. Ihre Hair- und Make-up-Kreationen greifen zentrale Motive von LILITH auf und übersetzen sie in eine eigenständige visuelle Ebene. In aufwendiger Handarbeit entstanden Hair-Accessoires, Masken und geflochtene Kappen aus veganem Haar – gefertigt in über 400 Arbeitsstunden.
Rebekka Ruétz – Lilith Kollektion ©Linda Leitner
Die Elemente agieren mal wie eine zweite Haut, mal wie eine auferlegte Hülle, und bewegen sich zwischen Unschuld und Stärke, Verletzlichkeit und dem historisch dem Dämonischen zugeschriebenen Lilith-Bild. Ein wiederkehrendes Thema ist das Sichtbarmachen innerer Strukturen: Abstrakte Anatomien und symbolische Motive wie Schlange, Moos und organische Texturen werden nicht illustrativ eingesetzt, sondern bewusst abstrahiert, um ihre Wirkung körperlich erfahrbar zu machen. Make-up und Hairstyling oszillieren zwischen rauen, wilden Oberflächen und klaren, grafischen Linien. Ergänzt werden sie durch skulpturale Nail-Designs, die Materialien, Strukturen und Motive der Kollektion aufnehmen und die visuelle Erzählung bis ins Detail fortführen.
Rebekka Ruétz ©Getty Images / Sebastian Reuter
Das Label rebekka ruétz
Rebekka Ruétz steht für eine zeitgenössische Avantgarde, in der Mode als künstlerische Sprache verstanden wird. Die Kollektionen verbinden minimalistisches Design mit präziser Konstruktion und einem experimentellen Umgang mit Material, wobei Haltung stets vor Dekoration steht. Charakteristisch sind klare Silhouetten, bewusste Brüche und ein prozessorientiertes Arbeiten, bei dem Stoffe nicht nur eingesetzt, sondern neu kontextualisiert werden. Mode entsteht im Dialog mit dem Körper und entwickelt sich oft erst im Entstehungsprozess.
Nachhaltigkeit ist integraler Bestandteil der Marke. Upcycling-, Recycling- und Deadstockmaterialien bilden die Basis, ergänzt durch langlebige Stoffe und regionales Handwerk. Rebekka Ruétz richtet sich an Menschen, die Mode jenseits kurzlebiger Trends als Ausdruck von Individualität, Reflexion und künstlerischer Haltung begreifen.
Rebekka Ruétz – Lilith Kollektion ©Linda Leitner
LILITH ist eine Einladung, Komplexität nicht zu glätten, sondern sie zu sehen und zu akzeptieren. Die Kollektion fordert heraus, irritiert, schafft Raum für das Unausgesprochene. Kleidung ist hier nicht bloß Funktion oder Dekoration. Sie wird zur Stimme für das, was schwer zu sagen ist, zur Ausdrucksform für Gedanken, Gefühle oder gesellschaftliche Themen, die sonst oft unsichtbar bleiben.